Förderung, was ist das?

2. Februar 2010

Förderung geht davon aus, dass eine Person mit einem höheren Kenntnis- oder Kompetenzstand einer anderen Person in Ihrer Entwicklung hilft. Maßgeblich ist dort der Standard an dem sich der Fördernde orientiert. Dieser Standard kann beispielsweise eine Idealnorm sein, der “perfekte Mensch”, der “aufgeklärte Staatsbürger” oder ähnliche Konzepte. Darüber hinaus gibt es noch eine Entwicklungsnorm, die der Geförderte erreichen soll. Diese Norm wird aus dem statistischen Mittel einer Kohorte (einer Altersgruppe) ermittelt, größere Abweichungen werden dann als “unnormal” bezeichnet. Eine Förderung richtet sich oft an der Alters- bzw. Entwicklungsnorm aus, das Kind soll “da abgeholt werden wo es ist” . Fördermaßnahmen sind also so auszurichten, dass sie sich vom aktuellen Stand des Kindes hin zu einem “angemessenen” Stand entwickeln.

Normbegriffe in der Förderung

Einige Konzepte bestreiten , dass das Erreichen eines Standards, beziehungsweise einer Norm, das Ziel einer Förderung sein sollte. Stattdessen sollten die individuellen Ressourcen des Kindes ausgeschöpft werden, um dem Kind eine möglichst vielseitige Entwicklung zu ermöglichen, ohne es an Standards zu messen, die bei Nichterreichung negativen Einfluss auf das Kind haben können.

Traditionell sind reformpädagogische Konzepte wie die Waldorf- und die Montessoripädagogik eher der Auffassung, dass standarisierte Anforderungen dem Kind eher schaden, während in konservativen Bildungsvorstellungen Leistung und Wettbewerb sowie die Vergleichbarkeit von Menschen (zum Beispiel durch Noten) ,im Sinne des Zugangs zu gesellschaftlichen Positionen, wichtige Aspekte der Schule und der Schulpolitik sind.

Zum Erreichen des einen oder des anderen Zieles muss ein Kind gefördert werden. Diese Förderung erfolgt vor allem in Bildungseinrichtungen, privaten Nachhilfesituationen und in der Familie. Verschiedene Kinder können einen ganz unterschiedlichen “Förderbedarf” haben. Dabei ist zu beachten, dass jedes Kind einen speziellen Bedarf an Förderung hat. Sowohl sehr intelligente (hochbegabte) Kinder, als auch Kinder mit Schwierigkeiten in bestimmten Teilleistungsbereichen, wie Lesen oder Mathematik oder Spracherwerb, als auch Kinder mit einer verminderten Intelligenz oder einer diagnostizierten psychischen und/oder Entwicklungsstörung, wie beispielsweise Autismus oder Depression haben den Bedarf und den Anspruch auf eine auf sie ausgerichtete Förderung. Es ist wie, wenn man passende Kinderschuhe für die Kinder sucht. Nicht jedem Kind passt jeder Schuh, gefallen tut er zudem auch nicht immer. Um die Gesundheit körperlich und psychisch zu erhalten, muss man genau schauen wie der “Schuh” und der Fuß aussehen.

Ziele des Förderguides

Das Ziel meines Förderguides ist es, Informationen bereit zu stellen, die für eine erfolgreiche Förderung hilfreich sein können. Dazu zählen Informationen über bestimmte Krankheitsbilder, Lernschwierigkeiten und pädagogische Konzepte. Dabei werden auch alternative Konzepte angesprochen werden. Die Vor- und Nachteile, beziehungsweise besonders kritische Punkte an einzelnen Vorstellungen sollen dabei nicht verschwiegen werden. Diesen Beitrag weiterlesen »

Migranten und Bildung

31. August 2010

Polemik ala Sarrazin

In Deutschland ist durch das Buch des Bundesbank Vorstands Sarrazin eine Diskussion entstanden, in der viele Fakten und Halbwahrheiten durcheinander geworfen und mit polemischen Tönen und sogenannten Argumenten vermischt.

Sarrazin schreibt, dass Migranten aus muslimischen Ländern weit weniger gebildet seien, als dies bei anderen Migrantengruppen der Fall sei. Auch die Kinder der Migranten seien weniger an Bildung interessiert und seien demzufolge auch wenig intelligent.

Richtig ist zwar, dass Kinder aus Familien mit einer Migrationserfahrung offenbar mit Problemen im Schulsystem zu kämpfen haben. Gerade Kinder mit türkischem Hintergrund sind im Bildungssystem weniger erfolgreich. Dies auf eine genetische oder religiöse Ursache zu schiebn ist allerdings aus mehreren Gründen unzulässig. Zum einen sind die Einwanderer mit dem niedrigsten bildungserfolg nicht Türken, sondern italienische Einwanderer. Außerdem sind gerade Einwandererkinder mit iranisch-persischen Wurzeln sehr erfolgreich.

Zutrefend ist eher, den Bildungshintergrund der Eltern mit einzubeziehen. Gerade die in den 60er und 70er Jahren angeworbenen Gastarbeiter in Westdeutschland wurden aus einer wenig gebildeten Gruppe rekrutiert. Viele der Menschen kamen aus ländlichen Gebieten und waren teils selbst nur kurz in der Schule gewesen. Dies war lange Zeit in Deutschland ähnlich, man erinnere sich an das häufig beschworene “katholische Arbeitermädchen vom Land”. Auch italienische Gastarbeiter kamen eher aus dem ärmeren, ländlichen Süden, als aus dem reicheren Norden.

Die vietnamesischen Gastarbeiter in der ehemaligen DDR und die persisch-iranischen Immigranten hingegen kamen aus einer weit gebildeteren Schicht, auch wenn ihre Lebensumstände oft ähnlich schwierig waren wie bei anatolischen oder kalabrischen Immigranten.

Integration von Migranten?

In Deutschland wiederum wurden wenig gebildete Arbeiter gesucht, sie wurden gebraucht um schwere, schlecht bezahlte Arbeiten zu verrichten, die hiesige Arbeitnehmer nicht mehr erledigenwollten, zumindest nicht zu diesen niedrigen Löhnen. Bei einer 40-60 Stunden Woche bei schwerer körperlicher Arbeit mit oft miserabler Unterbringung war kaum an Bildung zu denken. Dies war auch nicht gewollt oder es war dem Staat und den Arbeitgebern lange egal. Deutschkurse? Fehlanzeige! Natürlich war es eine sinnvolle Reaktion sich mit anderen Menschen zusammen zu tun, die auch eine ähnliche Erfahrung machen und auch die eigene Sprache sprechen.  Viele Gastarbeiter holten ihre Familie nach, wer will jemandem verwehren, die eigene Frau und seine Kinder bei sich zu haben?

Gutmenschentum?

Herr Sarazin scheint diese Gedankengänge als “Gutmenschentum” und irrelevant zu bezeichnen. Möglicherweise hat er diese auch einfach nicht bedacht.

Das eigentliche erschreckende ist die scheinbare Akzeptanz dieser Polemiken. Das Blatt “BILD” berichtete am 31.08.2010 auf der Website , dass 90% der User den Thesen des Noch-SPD mannes zustimmten. natürlich ist es bequem, Thesen zuzustimmen, die einer kleinen Gruppe alle Schuld an gesellschaftlichen Problemen zuschreibt, allerdings führt dies zur Diskriminierung und befördert ganz klar rassistische Tendenzen. Warum so viele Menschen allerdings diesen Themen zustimmen ist damit noch nicht geklärt. Spannend wäre in diesem Zusammenhang sicher den Bildungsabschluss und die durchschnittliche Intelligenz der Leser dieses Blattes zu untersuchen und dort einen Bezug zuder Zustimmung zu dieser dumpfen Polemik zu ziehen.

UNO-Konvention für Menschen mit Behinderung

23. Februar 2010

Heute Abend wird im Hamburger Rathaus eine Diskussion zur Frage nach der Umsetzung der UNO-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung stattfinden.

Kernpunkte der Konvention

Die Wichtigsten Punkte der Konvention ist der Aufruf zur Ermöglichung von Teilhabe. Eines der in meinen Augen wichtigsten Punkte ist die Aufforderung den Zugang zu einem inklusiven Schulsystem zu ermöglichen. In der deutschen Übersetzung wird manchmal von einem integrativen Schulsystem gesprochen, es ist anzunehmen, dass das KMK dort eine Begriffsunsicherheit schaffen möchte. Einige Vertreter der Kultusministerien sehen den Anspruch auf individuelle Förderung schon durch das Bereitstellen des ausdifferenzierten Förderschulsystems erfüllt. Da aber die UN Konvention definitiv einer Sonderbeschulung eine Absage erteilt, steht dieser Standpunkt auf wackeligen Füßen.

Behinderung

Ich möchte ein wenig weiterdenken und würde dazu den Behinderungsbegriff ein wenig in Frage stellen. Behinderung ist eine dauerhafte Beeinträchtigung eines Menschen die sich in einer verminderten Gesellschaftlichen Teilhabe niederschlägt. Das ein Mensch als behindert gilt ist also daran erkenntlich, inwieweit ihn ein Merkmal beeinträchtigt. In der klassisch medizinischen Definition ist eine Behinderung eine Abweichung von einer Norm, die zu Beeinträchtigungen führt (Querschnittslähmung–>behindert, da man nicht Laufen kann). Ich halte dies für zu kurz gegriffen, da ein Mensch mit einer Lähmung mit technischer oder personeller Unterstützung durchaus normal am Leben teilhaben kann es sind eher konstuierte Umweltbedingungen, die den Menschen behindern (Treppen in U-Bahnen statt Rampen oder Aufzüge, Babykleidung auch für Kinder mit körperlichen Fehlbildungen usw.).

Die Beeinträchtigung kommt also nicht aus dem Menschen selbst, sondern ist Folge der gesellschaftlichen Bedingungen und die Reaktion der Gesellschaft auf die Ausprägung eines bestimmten Merkmals (Intelligenz, physische oder psychische Gesundheit). Ein Mensch , könnte man also sagen, ist also nicht behindert, sonder wird es durch die gesellschaftlichen Gegebenheiten. Wenn sich die geselschaftlichen Umstände nun ändern, muss sich auch die Definition von Behinderung ändern. War zum beispiel früher die Ausprägung “Schulerfolg” als individuelles Merkmal schon wichtig für die gesellschaftliche Teilhabe, hat aber bei wenigen Menschen zu eiem kompletten Ausschluss aus der Teilhabe geführt, so ist bei der zunehmenden Wichtigkeit des Merkmales “Schulerfolg” davon auszugehen, dass mangelnder Schulerfolg zu einer Behinderung oder Verhinderung der Teilhabe an gesellschaftlichem Leben führt. Wenn Menschen nun ein Bildungsabschluss verweigert wird und sie dadurch nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, dann würde ein Schulsystem Menschen im Prinzip zu “Behinderten” machen. Da es in Deutschland Schulsysteme gibt, die genau dies tun, nämlich bestimmte Menschen nach gewissen Kriterien vom Bildungserfolg nachhaltig ausschließen (–> Förderschulen,Hauptschulen), muss dort gegengesteuert werden.

Meine These ist also: Das gegliederte Schulsystem behindert einen signifikanten Teil der Kinder, macht sie gesellschaftlich zu Behinderten.

(Die Bezeichnung:”Behinderter” wurde hier verwendet um das “behindert werden” genauer darzustellen, im Alltag sollte, um eine reine Konzentration auf ein bestimmtes Merkmal zu vermeiden von “Mensch mit Behinderung” gesprochen werden, nicht aus politischer Korrektheit, sondern aus Fairness)

Schulreform Hamburg

12. Februar 2010

Aus aktuellem Anlass möchte ich im Förderguide auf die Hintergründe des Hamburger Schulstreites eingehen. Ich möchte schon zu beginn sagen, dass ich ein Befürworter der Reform bin und dies aus sozialen wie aus pädagogischen Gründen und Überzeugungen.

Die Reform

Grund des Streites ist die geplante Schulreform des Schwarz-Grünen Senates. Diese sieht vor, dass in Zukunft die Grundschule nicht wie bisher 4 sondern nun ganze 6 Jahre dauern soll. Die 6 jährige Grundschule soll von da an Primarschule heißen. Damit einher geht die Umstellung des Sekundarbereichs auf ein 6 Jähriges Gymnasium und eine bis zu 7 Jahre dauernde „Stadtteilschule“ auf der alle Bildungsabschlüsse inklusive des Abiturs erreicht werden können. Zusätzlich soll nicht nur das Schulsystem umgestellt werden, sondern auch die Klassengrößen beschränkt werden, auf 25 Kinder maximal, in „Problembezirken“ auf 23 Schüler.
Der Senat und vor allem der Bürgermeister Ole von Beust mit der Bildungssenatorin Christa Goetsch wollen damit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen. Da in Deutschland der Bildungserfolg und damit der spätere soziale Status noch immer vom sozialen Status und dem Einkommen der Eltern massiv abhängig sind muss eine neue Struktur Kindern ermöglichen alle ihre Ressourcen zu entfalten.

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Inklusion

4. Februar 2010

Inklusion ist ein recht neuer und im deutschen Sprachraum noch nicht besonders häufiger Begriff für das gemeinsame Unterrichten von Kindern mit verschiedenen Lernvoraussetzungen und Leistungsständen in einem Klassenraum und an einem gemeinsamen Thema. Der Unterschied zur Integration ist hier, dass nicht zwischen “den Normalen” und “den Kindern mit Förderbedarf” (oder auch “den Behinderten”, den “Hilfsschülern” und anderen etikettierenden Bezeichnungen) unterschieden wird, es gibt in der Inklusion nicht eine bestehende, homogene, Gruppe die eine andere aufnimmt und durch ein Etikett wie Förderbedarf diskrimiert (unterscheidet).Inklusion im Schema

Warum Inklusion?

Böse Zungen mögen jetzt von “Gleichmacherei” sprechen, doch diese Behauptung wäre mehr als falsch. Inklusion bedeutet nämlich genau das Gegenteil! Statt eine Homogenisierung in verschiedenen Niveaus, wie es der klassische Frontalunterricht im gegliederten Schulsystem zumindest nahelegt, soll im inklusiven Unterricht auf jedes Kind in seinen ganz speziellen Bedürfnissen eingegangen werden. Jedes Kind wird als Individuum mit speziellen Bedürfnissen begriffen, somit sind sowohl hochbegabte Kinder mit ihren speziellen Bedürfnissen, als auch Kinder mit Lernschwierigkeiten oder -störungen Profiteure eines inklusiven Unterrichtes. Diesen Beitrag weiterlesen »