Gedanken zu standardisierten Tests

Oder: “Vom Wiegen wird die Sau nicht fett”

In der Bildungsdebatte besteht eine Tendenz Test s und standardisierte Abschlussprüfungen, wie das Zentralabitur, als sinnvolle Instrumente zur Verbesserung von Schulleistungen zu sehen. Diese Tendenz ist beispielhaft in NRW und Bremen zu sehen, wobei Bremen aufgrund seiner PISA Ergebnisse hervorzuheben ist, da beide Bundesländer das Zentralabitur eingeführt haben, teils um auf die Ergebnisse der PISA Studie zu reagieren.

Wirksamkeit?

Wenn eine Bildungsbehörde mit der Einführung des Zentralabiturs auf die vermeintlich desaströsen Ergebnisse reagiert, sollte man meinen, dass dies erfolgt, weil diese Maßnahme geeignet ist die Bildung und die Kompetenz der Schüler zu verbessern. Nur, was soll das Messen verbessern?

Schulen werden durch standardisierte Tests direkt miteinander vergleichbar, so die Hoffnung der Bildungsbehörden, sodass gute und weniger gute Schulen ausgemacht werden können. Mittlerweile ist natürlich bekannt, dass unterschiedliche Schülerschaften durchaus unterschiedliche Testergebnisse produzieren, dem wird durch verschiedene Berechnungen von Sozialindizes Rechnung getragen, die die Testergebnisse etwas relativieren sollen. Nun ist trotzdem der Sinn der Vergleichbarkeit auch die Konkurrenz. Ist Konkurrenz prinzipiell schlecht? Eher nicht, Konkurrenz ist wirtschaftlich der treibende Faktor für Fortschritt, auch Wettbewerbe sind leistungsförderlich, aber Schule ist keine Organisation die auf wirtschaftliche Logik aufbaut.

Positive Konkurrenz, wie Schülerwettbewerbe in Sport, Mathematik oder anderen Bereichen, kann Schüler positiv beeinflussen, auch Schulen köpnnen sich so eine Identität und ein profil bilden und mit anderen Schulen vergleichen. Aber ist dies auch sinnvoll auf der Ebene von standardisierten Tests? Kann ich die Ergebnisse zweier Klassen verschiedener oder der gleichen Schule vergleichen? Gehen wir einmal davon aus, dass in Klassen des gleichen Jahrganges zwar ähnliche Themen behandelt werden, aber durch die unterschiedlichen Unterrichtsmethoden und Schwerpunktsetzungen und die verschieden liegenden Interessen von Lehrern und Schülern sicher nie der gleiche Unterricht erteilt werden wird. Dies bedeutet, dass bei einem Test sicherlich unterschiedliche Ergebnisse produziert werden müssen. Sind dann die Schüler, deren unterricht besser auf die Testfragen zugeschnitten war besser als die Schüler, die vielleicht ein einzelnes Thema wesentlich tiefer durchdrungen haben, sind? Kann ich von den Ergebnissen des Tests auf die Kompetenz schließen?

Würde man dies tun, wäre der Unterricht gut, der dafür sorgt, dass Schüler in tests gut abschneiden. Dies wurde in den USA bereits durchexerziert, im Zuge der “No Child left behind” Politik. Schlechte Ergebnisse werden dort sanktioniert, die Frage ist, ob die dann die Schulleistungen und die Kompetenzen der Schüler verbessert hat.

Ungeplante Konsequenzen

Mehrere Untersuchungen konnten darlegen, dass die Wirkung der Sanktionen die Testergebnisse verbesserte, dies scheint zunächst auch darzulegen, dass die Wirksamkeit von standardisierten Tests hoch ist. Schaut man aber genauer auf die Wirkung dieser Sanktionen aufgrund von negativen Test, so wird deutlich, dass Lehrer stark Testfragen pauken ließen, schlechteren Schülern empfahlen zu Haus zu bleiben und allgemein die Qualität des Unterrichts zugunsten des Paukens abnahm.

Tests verändern also Unterricht, aber ob dies auch positiv wirkt, ist völlig unklar, somit sollte in das Zentralabitur und in den Einsatz standardisierter Test nicht zu viel hineininterpretiert werden.

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