Hamburgs Weg zur Inklusion: §12

Was Inklusion ist, wurde bereits mehrfach in diesem Blog besprochen, jetzt ist Inklusion auf Grundlage der UN Behindertenrechtskonvention aber auch in der aktuellen Gesetzgebung angekommen.

Im Stadtstaat Hamburg soll durch eine Änderung des Schulgesetzes Inklusion in den allgemeinbildenden Schulen durchgesetzt werden. Dazu wurde der § 12 des Hamburgischen Schulgesetzes verändert.

Was wurde geändert?

Die Eltern von Kindern bei denen ein Förderbedarf festgestellt wurde, haben in Zukunft die Wahl ob ihr Kind in einer Förderschule (bzw. Sonderschule) unterrichtet werden soll, oder ob das Kind in einer allgemeinen Schule unterrichtet werden soll.

Um diese Wahlfreiheit zu gewährleisten müssen die Ressourcen für die Förderung neu verteilt werden. Da man damit rechnet, dass circa 80 % aller Schüler mit Förderbedarf auf allgemeine Schulen unterrichtet werden, ist besonders hier die Ressourcenzuteilung wichtig.

Der aktuelle Plan unterteilt Kinder mit Förderbedarf in zwei Kategorien, einmal Kinder mit speziellem Förderbedarf und Kinder mit allgemeinem Förderbedarf.

Spezieller Förderbedarf umfasst die Förderschwerpunkte körperliche Entwicklung, Blinde, Gehörlosenpädagogik und geistige Entwicklung. Diese Kinder bekommen wöchentlich 7 Stunde sonderpädagogische Förderung zugeteilt. Davon werden allerdings nur circa 40 % durch Sonderpädagogen zur Verfügung gestellt, der Rest durch Erzieher und/oder Sozialpädagogen. Das bedeutet, dass ein Kind mit speziellen Förderbedarf nur knapp 3 Stunden Förderung durch einen Sonderpädagogen pro Woche erhalten kann.

Kinder mit allgemeinem Förderbedarf, also dem Förderbedarf Lernen, Sprache und soziale-emotionale Entwicklung erhalten pro Woche 3,5 Stunden Förderung. Dies wird allerdings nicht mehr an ein Gutachten gebunden, sondern durch eine geschätzte Zahl von Kindern mit Förderbedarf berechnet. Im Hamburger Durchschnitt werden für 8 bis 9 % aller Kinder ein Förderbedarf angenommen, bei einer Klassengröße von 21 Kindern wären es also zwei Kinder mit insgesamt 7 Stunden sonderpädagogischer Förderung. Da die Anzahl in einer sozial so diversifizierten Stadt aber von Schule zu Schule massiv schwankt und in die Berechnung sowohl Gymnasien, als auch Stadtteilschulen einbezogen werden, sind gewisse Probleme vorprogrammiert.

Kritik an der Änderung

Die Möglichkeit für Eltern den Förderort selbst zu bestimmen ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, Inklusion wäre aber eher, wenn es eine allgemeine Schulform gäbe. Nun wird trotzdem eine Steigerung der integrativ (nicht inklusiv!) beschulten Schülerzahlen ermöglicht, was eine gute Nachricht ist. Auch der Ansatz, dass Förderbedarf nciht mehr unbedingt diagnostiziert werden muss (was zu einer Stigmatisierung der betroffenen Kinder führen kann) ist zu begrüßen.

Kritsch zu sehen ist aber die Art und Weise der Ressourcenzuteilung, die aufzeigt, dass hier durchaus eine Spar-Version von Inklusion gewünscht wird. 3 Stunden Zeit einer Sonderpäadagogin sind für Kinder mit einem speziellen Förderbedarf nicht ausreichend, 3 Stunden sind pro Tag kaum mehr als eine halbe Stunde Förderung. Der “Job” der Sonderpädagogen wird hier auf kurze Diagnostik mit Einsatz einzelner Förderprogramme reduziert. Eine intensivere Arbeit im Team mit den Klassenlehrern ist so kaum möglich, da die Fachkräfte unter Umständen an verschiedenen Schulen eingesetzt werden.

Welche Folgen sind zu befürchten?

Die Folgen der Umsetzung sind zuerst vermutlich überforderte Lehrer, besonders Regelschullehrer, die bisher nicht auf die Arbeit mit Kindern mit Förderbedarf vorbereitet waren und erst Recht nicht wurden. Zudem werden viele Sonderpädagogen Probleme dabei haben, integrativ zu arbeiten, da auch sie nicht darauf vorbereitet wurden. Schließlich werden auch Schülerinnen und Schüler Probleme bekom.

Das Konzept, welches hier als Inklusion verkauft werden soll, wird zu einem Scheitern führen, der mit ziemlicher Sicherheit auch der Idee der Inklusion angelastet werden wird.

This entry was posted in Allgemein. Bookmark the permalink.

Comments are closed.