Inklusion

Inklusion ist ein recht neuer und im deutschen Sprachraum noch nicht besonders häufiger Begriff für das gemeinsame Unterrichten von Kindern mit verschiedenen Lernvoraussetzungen und Leistungsständen in einem Klassenraum und an einem gemeinsamen Thema. Der Unterschied zur Integration ist hier, dass nicht zwischen “den Normalen” und “den Kindern mit Förderbedarf” (oder auch “den Behinderten”, den “Hilfsschülern” und anderen etikettierenden Bezeichnungen) unterschieden wird, es gibt in der Inklusion nicht eine bestehende, homogene, Gruppe die eine andere aufnimmt und durch ein Etikett wie Förderbedarf diskrimiert (unterscheidet).Inklusion im Schema

Warum Inklusion?

Böse Zungen mögen jetzt von “Gleichmacherei” sprechen, doch diese Behauptung wäre mehr als falsch. Inklusion bedeutet nämlich genau das Gegenteil! Statt eine Homogenisierung in verschiedenen Niveaus, wie es der klassische Frontalunterricht im gegliederten Schulsystem zumindest nahelegt, soll im inklusiven Unterricht auf jedes Kind in seinen ganz speziellen Bedürfnissen eingegangen werden. Jedes Kind wird als Individuum mit speziellen Bedürfnissen begriffen, somit sind sowohl hochbegabte Kinder mit ihren speziellen Bedürfnissen, als auch Kinder mit Lernschwierigkeiten oder -störungen Profiteure eines inklusiven Unterrichtes.

Inklusion kann durchaus so weit gehen, dass auch Unterricht angeboten wird in dem ganz verschiedene Altersgruppen beteiligt sind. So kann auch ein hochbegabter neunjähriger Schüler in einem Unterricht sitzen, der dem Niveau der neunten Klasse Mathematik am Gymnasium entspricht. Gleichzeitig sollte es in inklusiven Schulsystemen möglich sein, dass Qualifikationen und Abschlüsse nicht nach einem starren Zeitplan vergeben werden (Abitur nach 12 Jahren, oder maximal 13), sondern begabte Schüler die Möglichkeit erhalten ihre Schullaufbahn durchaus früher zu beenden, während Anderen die Möglichkeit gegeben wird ein oder zwei Jahre länger zu brauchen ohne “sitzen zu bleiben”.

Inklusive Schulen sollen somit möglichst alle Ressourcen nutzen, die in den Kindern vorhanden sind und den Kindern die Möglichkeit geben den für sie bestmöglichen Abschluss zu erreichen.

Mitunter wird mit einer reinen Umstellung des Schulsystems auf eine einzelne Schulform die Hoffnung verbunden, dass die enge Verbundenheit von sozialem Status der Eltern und dem Schulerfolg des Kindes aufgehoben oder zumindest relativiert würde.

Grenzen der Inklusion

Dabei sollte man bedenken, dass viele Entwicklungsschritte beim Eintritt in die Schule schon vollzogen sind und viele Strukturen kognitiver und psychischer Art bereits angelegt wurden. Meist wird das Aufwachsen in einem sozial gut gestellten Elternhaus positiv mit der frühkindlichen Entwicklung in Verbindung gebracht, während Kinder aus bildungsfernen Familien (Arbeiterkinder, Kinder von Arbeitslosen und von Migranten ohne akademischen Hintergrund) weniger Kompetenzen und Fähigkeiten sowie Ressourcen erhalten die dabei helfen die schulischen und später die beruflichen Anforderungen zu erfüllen. Auch die Umwelt die Kinder in ihrer Freizeit erfahren hat einen sehr großen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes (Peergroup, Vereine, Jugendorganisationen) und unterscheiden sich bei verschiedenen sozialen Schichten teils erheblich. Extrem plakativ (!) gesagt geht es hier um den Unterschied zwischen Klarinettenunterricht und Konsolen, Polo und Prügel, Mann und Marvel, sowie Bach und Bushido. Da die klassischen bürgerlichen Bildungsgüter im schulischen, beruflichen und akademischen Kontext höher bewertet werden, haben Kinder die früh Zugang zu diesen Gütern bekommen und Vorbilder haben die diese Güter wertschätzen, einen sehr großen Vorteil gegenüber Kindern aus Familien in denen dies nicht gegeben ist.

Ob Inklusion also die aktuelle gesellschaftliche Ungleichheit lösen kann ist zumindest sehr kritisch zu hinterfragen, eine Chance zu einer Relativierung dieser Unterschiede scheint aber zumindest gegeben. An dieser Stelle möchte ich auf die aktuelle Ausgabe (01/2010) der “Zeitschrift für Pädagogik” des Beltz- Verlages hinweisen, in der der Themenschwerpunkt “Bildung in der Demokratie” zu finden ist. Auch dort gibt es kontroverse Artikel zum Thema Inklusion und Schulsystem.

This entry was posted in Allgemein. Bookmark the permalink.

Comments are closed.