“Klicken wir uns das Hirn weg?” Nö!

Digitaler Grabenkampf: Spitzer vs. Jantke

Am 02.09.2012 war bei ARD die Show “Günther Jauch” zu sehen. Das Thema der Sendung war der Einfluss des Internets und anderer “neuer” Medien auf die Intelligenz und die Lebenschancen von Kindern. Vier Gäste diskutierten zusammen mit dem Moderator über dieses Thema.

Professor Manfred Spitzer war eingeladen um seine Thesen vorzustellen, da er zudem auch ein Buch (Digitale Demenz). Professor Spitzer vertrat eine sehr kritische Position gegenüber Medienkonsum von Jugendlichen.

Als “Gegenpart” war Herr Klaus Peter Jantke, ein Jugendmedienforscher, eingeladen. Er betonte die Chancen, die die neuen Medien für das Leben und Lernen von Kindern bieten.

Unterstützend waren jeweils noch Frau Petra Gerster (ZDF-Moderatorin) und Herr Rangar Yogeshwar (Moderator und Journalist).

Erkenntnisgewinn? Fehlanzeige!

Prof. Spitzer gab an in seiner täglichen Arbeit ständig mit Internetsüchtigen zu tun zu haben. Eine Definition von Internetsucht bei Jugendlichen oder Kindern blieb er schuldig. Prof. Spitzer behauptete, dass die beschäftigung mit digitalen Medien Jugendlichen prinzipiell schade, der Einwand, dass die Inhalte deutlich in ihrer Qualität variierten, ließ er nicht gelten, da ja die Beschäftigung mit Büchern, Klettern oder Kochen wesentlich förderlicher sei.

Herr Jantke konnte hier kaum aufhören zu schmunzeln und versuchte Spitzer mit Argumenten zu einer etwas differenzierteren Sichtweise zu verhelfen, dies schien nicht zu gelingen, denn schließlich seien ja Zigaretten, übermäßiges Röntgen auch schädlich und somit auch das Internet (eine etwas krude Argumentation, nicht wahr?).

Insgesamt war die Diskussion sehr oberflächlich und noch spannender war, dass kein Vertreter der Gruppe eingeladen war, um die es ging, Jugendliche, junge Erwachsene oder Kinder. Ich (um jetzt einmal auch etwas Meinung reinzubringen) bin beispielsweise mit digitalen Medien aufgewachsen und bin der festen Überzeugung, dass dies nicht besonders schädlich ist. Der grundsätzliche, vernetzte, Aufbau des Internets und vieler Videospiele stellt eine hohe Anforderung an die Auseinandersetzung mit Themen und Gegenständen und ermöglicht eine sich vertiefende Beschäftigung schon dadurch, dass das nächste Wissen, die nächsten Fakten nur einen Klick weiter sind. Auch die Multikanalität von Webinhalten (Audio, Video, Bilder, Texte, interaktive Elemente) sind Chancen für Lernende und Lehrende.

Weiterführende Links:

Rezension zu digitale Demenz: http://carta.info/47569/zwischenbilanz-zu-spitzers-digitaledemenz/

Studien die Spitzer in Frage stellen: http://gibro.de/studiengegenspitzer

Zusammenstellung der Arbeiten von Prof. Spitzer: https://portal.dnb.de/opac.htm?query=Woe%3D121502384&method=simpleSearch

Bücher von Spitzer bei Amazon.de: http://amzn.to/TSeJaq

 

 

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