Migranten und Bildung

Polemik ala Sarrazin

In Deutschland ist durch das Buch des Bundesbank Vorstands Sarrazin eine Diskussion entstanden, in der viele Fakten und Halbwahrheiten durcheinander geworfen und mit polemischen Tönen und sogenannten Argumenten vermischt.

Sarrazin schreibt, dass Migranten aus muslimischen Ländern weit weniger gebildet seien, als dies bei anderen Migrantengruppen der Fall sei. Auch die Kinder der Migranten seien weniger an Bildung interessiert und seien demzufolge auch wenig intelligent.

Richtig ist zwar, dass Kinder aus Familien mit einer Migrationserfahrung offenbar mit Problemen im Schulsystem zu kämpfen haben. Gerade Kinder mit türkischem Hintergrund sind im Bildungssystem weniger erfolgreich. Dies auf eine genetische oder religiöse Ursache zu schiebn ist allerdings aus mehreren Gründen unzulässig. Zum einen sind die Einwanderer mit dem niedrigsten Bildungserfolg nicht Türken, sondern italienische Einwanderer. Außerdem sind gerade Einwandererkinder mit iranisch-persischen Wurzeln sehr erfolgreich. Religion als Grund anzuführen ist also nicht legitim.

Zutreffend ist eher, den Bildungshintergrund der Eltern mit einzubeziehen. Gerade die in den 60er und 70er Jahren angeworbenen Gastarbeiter in Westdeutschland wurden aus einer wenig gebildeten Gruppe rekrutiert. Viele der Menschen kamen aus ländlichen Gebieten und waren teils selbst nur kurz in der Schule gewesen. Dies war lange Zeit in Deutschland ähnlich, man erinnere sich an das häufig beschworene “katholische Arbeitermädchen vom Land”. Auch italienische Gastarbeiter kamen eher aus dem ärmeren, ländlichen Süden, als aus dem reicheren Norden.

Die vietnamesischen Gastarbeiter in der ehemaligen DDR und die persisch-iranischen Immigranten hingegen kamen aus einer weit gebildeteren Schicht, auch wenn ihre Lebensumstände oft ähnlich schwierig waren wie bei anatolischen oder kalabrischen Immigranten.

Integration von Migranten?

In Deutschland wiederum wurden wenig gebildete Arbeiter gesucht, sie wurden gebraucht um schwere, schlecht bezahlte Arbeiten zu verrichten, die hiesige Arbeitnehmer nicht mehr erledigenwollten, zumindest nicht zu diesen niedrigen Löhnen. Bei einer 40-60 Stunden Woche bei schwerer körperlicher Arbeit mit oft miserabler Unterbringung war kaum an Bildung zu denken. Dies war auch nicht gewollt oder es war dem Staat und den Arbeitgebern lange egal. Deutschkurse? Fehlanzeige! Natürlich war es eine sinnvolle Reaktion sich mit anderen Menschen zusammen zu tun, die auch eine ähnliche Erfahrung machen und auch die eigene Sprache sprechen.  Viele Gastarbeiter holten ihre Familie nach, wer will jemandem verwehren, die eigene Frau und seine Kinder bei sich zu haben?

Gutmenschentum?

Herr Sarazin scheint diese Gedankengänge als “Gutmenschentum” und irrelevant zu bezeichnen. Möglicherweise hat er diese auch einfach nicht bedacht.

Das eigentliche erschreckende ist die scheinbare Akzeptanz dieser Polemiken. Das Blatt “BILD” berichtete am 31.08.2010 auf der Website , dass 90% der User den Thesen des Noch-SPD mannes zustimmten. natürlich ist es bequem, Thesen zuzustimmen, die einer kleinen Gruppe alle Schuld an gesellschaftlichen Problemen zuschreibt, allerdings führt dies zur Diskriminierung und befördert ganz klar rassistische Tendenzen. Warum so viele Menschen allerdings diesen Themen zustimmen ist damit noch nicht geklärt. Spannend wäre in diesem Zusammenhang sicher den Bildungsabschluss und die durchschnittliche Intelligenz der Leser dieses Blattes zu untersuchen und dort einen Bezug zu der Zustimmung zu dieser dumpfen Polemik zu ziehen.

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