Schulreform Hamburg

Aus aktuellem Anlass möchte ich im Förderguide auf die Hintergründe des Hamburger Schulstreites eingehen. Ich möchte schon zu beginn sagen, dass ich ein Befürworter der Reform bin und dies aus sozialen wie aus pädagogischen Gründen und Überzeugungen.

Die Reform

Grund des Streites ist die geplante Schulreform des Schwarz-Grünen Senates. Diese sieht vor, dass in Zukunft die Grundschule nicht wie bisher 4 sondern nun ganze 6 Jahre dauern soll. Die 6 jährige Grundschule soll von da an Primarschule heißen. Damit einher geht die Umstellung des Sekundarbereichs auf ein 6 Jähriges Gymnasium und eine bis zu 7 Jahre dauernde „Stadtteilschule“ auf der alle Bildungsabschlüsse inklusive des Abiturs erreicht werden können. Zusätzlich soll nicht nur das Schulsystem umgestellt werden, sondern auch die Klassengrößen beschränkt werden, auf 25 Kinder maximal, in „Problembezirken“ auf 23 Schüler.
Der Senat und vor allem der Bürgermeister Ole von Beust mit der Bildungssenatorin Christa Goetsch wollen damit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen. Da in Deutschland der Bildungserfolg und damit der spätere soziale Status noch immer vom sozialen Status und dem Einkommen der Eltern massiv abhängig sind muss eine neue Struktur Kindern ermöglichen alle ihre Ressourcen zu entfalten.

Wir wollen Lernen-die Gegner der Reform

Gegen diese Umstellung hat sich eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Wir wollen lernen“ (WWL) gebildet. Diese Bürgerinitiative beklagt, dass die Umstellung das Gymnasium ausbluten lasse und die Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern einschränke. Sie begründen dies mit einer vermeintlichen Unaufholbarkeit der Leistungsunterschiede am Ende der Klassenstufe 4.Die auch in den folgenden Jahren auf der Primarschule nicht ausgeglichen werden könnten. Außerdem sei eine klassisch-humanistische Bildung inklusive Latein und Altgriechisch nicht mehr möglich, wenn das Gymnasium zwei Jahre „verliere“. Ein zusätzlicher Punkt, mit dem die Reformgegner auch viele Menschen zur Unterzeichnung des Bürgerbegehrens überzeugen konnten war die geplante Aufhebung des Elternwahlrechtes. Das Elternwahlrecht bleibt allerdings jetzt definitiv erhalten.

Die Unterstützer

Dagegen sind die Reformbefürworter der Meinung, dass die Primarschule Kindern aus benachteiligten Verhältnissen die Chance biete länger ohne schädlichen Leistungsdruck zu lernen und die frühe soziale Klassifizierung von Kindern verschoben und somit relativiert würde. Zudem haben Kinder und Jugendliche nun länger die Möglichkeit das Abitur zu erreichen, da der Sekundarbereich nun länger die Möglichkeit bietet diesen Abschluss zu erreichen. Somit soll der Leistungsgedanke wieder etwas zählen, und zwar in dem Sinne, dass Leistung nicht mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängt. Leistung soll außerdem nicht angstbesetzt sein und Kindern schon mit 10 Jahren gesagt werden, dass ihre Leistung nicht ausreicht im Leben etwas zu erreichen. Kinder sollen nun die Möglichkeit haben ihre Ressourcen wirklich so zu entfalten wie es maximal möglich ist. Dies sei nicht nur eine Frage von sozialer Gerechtigkeit und Fairness, sondern auch von ganz klarem wirtschaftlichem Interesse für die Stadt Hamburg, da auch die Hoffnung besteht, dass die Zahl der Schulabbrecher sinken wird. Diese Hoffnung ist auch nicht unbegründet, da Schulabbruch häufig mit einer mangelnden Perspektive zusammenhängt, welche zum Beispiel an der Haupt- oder Förderschule klar zu erkennen ist.

Warum die Reform richtig ist

Ich persönlich halte die Hamburger Schulreform für ein Projekt, welches ambitioniert und erfolgversprechend ist. Natürlich würde ein reiner Systemwechsel den Schülern nicht die erhofften Vorteile bringen, aber da sich der Senat die Aufgabe vorgenommen hat auch die Qualität der Schulen zu verbessern, bin ich der festen Überzeugung, dass alle Schüler aller Leistungs- und Altersgruppen langfristig von dieser Reform profitieren werden. Ich bin auch überzeugt davon, dass es nicht zu einer „Gleichmacherei“ kommen wird, wie viele Mitglieder von WWL befürchten, sondern das längere gemeinsame, vom Druck befreite, Lernen Lehrern die Chance eröffnet die Kinder individueller zu Fördern, als dies jetzt der Fall ist und sein kann. Längeres gemeinsames Lernen ist für Kinder, die hohe Leistung bringen können und wollen eine riesige Chance, da ein gemeinsamer Unterricht auf verschiedenen Leistungsniveaus ihnen erlaubt Fähigkeiten zu entwickeln die für ihr gesamtes zukünftiges Leben von riesiger Bedeutung sein werden, wie zum Beispiel die Reduktion von Information auf ein Level, dass alle Beteiligten verstehen, außerdem das Anerkennen und Nutzen verschiedener individueller Stärken verschiedener Menschen, was unbestreitbar in der heutigen Gesellschaft von hoher Bedeutung ist.

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3 Responses to Schulreform Hamburg

  1. Nadine Neumann says:

    Herr Piotrowski,

    es freut micht, dass Sie sich so für die Hamburger Schulreform einsetzen.

  2. Nadine Neumann says:

    Herr Piotrowski,

    ich würde mir einen Beitrag zu den negativen Auswirkungen durch den Volksentscheid wünschen.

  3. Fabian Piotrowski says:

    Wie Sie bemerken werden, habe ich einen Artikel zu eben jenem Thema veröffentlicht. Vielen Dank für Ihren Hinweis.