Schulreform Hamburg die Zweite

Vor einigen Monaten wurde im Förderguide bereits über den damals noch anstehenden Volksentscheid über die geplante Hamburger Schulreform berichtet. Es sollte eine sechsjährige Grundschule mit einem daran anschließenden zwei-Säulen-Modell entstehen.

Schon kurz nach der Abstimmung war klar, dass die Bürgerschaft am Widerstand der Reformgegner gescheitert waren.

Gründe des Scheiterns

Das Scheitern ließ sich auf zwei Hauptaspekte zurückführen. Zum einen gelang es den Reformgegnern die Anhänger besonders gut zu mobilisieren. Gerade in den wohlhabenden Elbvororte in Hamburgs Westen gingen die Mehrheit der Bevölkerung zur Wahl und stimmte überwiegend gegen die Reform.

Der zweite Grund war umgekert in der nicht ausreichenden Mobilisierungsfähigkeit der Reformbefürworter zu sehen. Gerade in den sozial schwachen Bezirken, also die Bezirke in denen die Kinder leben die von einer verlängerten gemeinsamen Schulzeit profitieren sollten, gingen die meisten Menschen nicht zur Wahl.

Folgen des Scheiterns

Welche Folgen sich aus dem Scheitern der Hamburger Schulreform ergeben ist noch nicht abzusehen. Positive Entwicklungen sind von der Abschaffung der Haupt- und Realschulen und der Zusammenführung zu einer Art Gesamtschule, mit der Möglichkeit nach 13 Jahren das Abitur zu erreichen, zu erwarten. Zwar werden Kinder weiterhin aufgeteilt und viel zufrüh selektiert, allerdings sind die Folgen nicht mehr so gravierend wie in der Vergangenheit, da die Chance ein Abitur zu erreichen bestehen bleibt. Trotzdem ist zu erwarten, dass eine erhöhte Chancengerechtigkeit und die Umsetzung eines tatsächlichen Leistungsprinzips nicht in Gänze erreicht werden können.

Trotz der erfolgreichen Umstrukturierung ist die frühe Selektion noch immer konträr zum Zweck des Schulsystems. Eine Selektion die nachgwiesenermaßen zu einem gut Teil nach sozialen Kriterien erfolgt, zeigt deutlich, dass hier nicht mehr die besten Individuen zu einer hohen gesellschaftlichen Positionen gelangen, sondern eine gewisse gesellschaftliche Abgeschlossenheit, die in Ansätzen ständische Züge aufweist, herrscht. Diese Abgeschlossenheit nach oben ist äußerst schädlich für eine Gesellchaft, die dem Individuum eigentlich nach indvidueller Leistung Zugang zu hohen gesellschaftlichen Positionen ermöglichen soll. Wenn ein Teil der Gesellschaft sich abspaltet, ist dies durchaus als Parallelgesellschaft zu bezeichnen.

Mit dem Volksentscheid wurde eine große Chance verpasst das Schulsystem gerechter und damit effektiver und rationaler zu gestalten. Ängste einer besser gestellten Mittel- und Oberschicht behinderten eine bessere gesellschaftliche Integration von sozial schlechter gestellten Kindern und Jugendlichen. Die gesellschaftlichen Folgen daraus können sicher nicht vorhergesagt werden, zumindest nicht seriös, aber vermutlich sind die Folgen auf lange Sicht auch negativ für die sich abkapselnden Parallelgesellschaften in den Elbvororten.

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