Neurodidaktik

Neurodidaktik: Grundlagen und Vorschläge für ein gehirngerechtes Lehren und Lernen

Der von Professor Doktor Ulrich Herrmann herausgegeben Band Neurodidaktik ist im Beltz® Verlag erschienen. Er enthält 20 Artikel in 3 Kategorien. Die Autoren sind zum allegrößten Teil Neurowissenschaftler, Hirnforscher, Biologen und Pädagogen. In den drei Themenfeldern “Lernen als Thema der Neurowissenschaften”, “Gehirnforschung und Pädagogik auf dem Weg zur Neurodidaktik?” und “Lernen und Lehren – neurodidaktisch angeleitet” wird versucht pädagogische Theorien und lerntheoretisches Grundwissen naturwissenschaftlich zu überprüfen.

Inhalt

Die Autoren erklären zunächst die Grundlagen nach denen Lernen funktioniert und welche Prozesse im Gehirn dafür verantwortlich sind. Damit  soll dem interessierten Leser ein Grundstock an Hintergrundwissen mitgegeben werden. Bekannte Phänomene wie die Konstruktion des Wissens im Hirn werden mit biologischen Vorgägngen anschaulich erklärt und bekommen somit einen naturwissenschaftlichen Beleg. Ein Beispiel ist der Artikel von Dr. med. Joachim Bauer (Professor für Psychosomatische Medizin am Uniklinikum Freiburg) über Spiegelneuronen, welche unter anderem für die Empathie verantwortlich sind.Hier gibt es einen, wie ich finde, zu kurz gegriffenem Übertrag auf Computer und Videospiele. Bauer geht davon aus, dass Egoshooter zu Lernschwierigkeiten führen, da Sie gewalthaltig sind und das Kind negativ beeinflussen würden. Ich würde an dieser Stelle gerne darauf hinweisen, dass andere Autoren die “Gewalt” in Videospielen nicht als Gewalt identifizieren, da Gewalt ein fühlendes, leidendes Opfer voraussetzt. Bauer weist im übrigen nur in einem Satz darauf hin, andere Veröffentlichungen von ihm setzen sich weiter damit auseinander.

Im nächsten Abschnitt versuchen einige Autoren die Brücke zur Pädagogik zu schlagen und die Erkenntnisse der Neurowisenschaften mit pädagogisch relevanten Themen wie “Kompetenzerwerb” oder “Lernen als Spiegelung” zu verknüpfen. Bauer kritisiert hier, im Bezug auf das Konzept der Spiegelung , die Thesen von Bernhard Bueb (Autor von “Lob der Disziplin” und ehemaliger Leiter des Internats Salem). Bauer geht hier davona us, dass erst die “Kardinaltugenden wie Zuneigung und Liebe” zur (pädagogischen) Bezihungsbildung nötig sind, bevor “Sekundärtugenden”, wie eben die Disziplin, gefordert und gefördert werden können.

Im dritten Abschnitt wird nun diskutiert inwieweit sich Pädagogik und Neurowissenschaften zu einer neuen Disziplin Neurodidaktik “verbinden”. Dabei wird einerseits eine Art menschenbild erzeugt, welches “Schüler” und “lernendes Gehirn” unterscheiden will und diese “lernenden Gehirne” angemessen Fördern will. Der Schüler muss in seiner Hirnentwicklung unterstützt und ernstgenommen werden, das Gehirn kann nicht gezwungen werden, muss es auch nicht, da es selbst lernen will!

Meinung & Fazit

Die Lektüre des Bandes ist sehr zeitintensiv und nicht unkompliziert, es erfordert auch etwas Vorwissen und erfordert ein gewisses Nachdenken vom Leser. Wenn man sich aber darauf eingelassen hat, ist es sehr lohnenswert gewesen dieses Buch zu lesen. Man muss nicht mit allen Autoren völlig übereinstimmen, aber es gibt einen sehr interessanten neuen Blickwinkel auf das Lernen von Kindern und die Förderung, die ein sich entwickelndes Gehirn braucht. Insbesondere Pädagogen sind oft skeptisch gegenüber Hirnforschung und ihren ergebnissen, da sie sich nicht “vorschreiben” lassen wollen, wie ihre pädagogische praxis auszusehen hat. Ich denke jedoch, dass es eher die Chance bietet die eigene Praxis zu reflektieren und sinnvoll zu verändern oder ein Beibehalten fundiert zu begründen.

Zur Bestellung des Buches hier noch die ISBN 978-3-407-25511-2.

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