Schulversagen

Schulversagen ist ein geflügelter Begriff. Teils wird darunter verstanden, dass ein Individuum nicht die nötigen Fähigkeiten besitzt um einen Schulabschluss zu erreichen. Diese individualistische These krankt an einigen Stellen.

Gründ, Schulversagen nicht individualistisch zu begreifen, gibt es viele. Zum einen ist es nicht erwiesen, dass allein Leistung für den Schulerfolg ausschlaggebend ist. Es ist vielmehr so, dass Schulerfolg zu allererst von der Bewertung der Leistung durch einen Lehrer abhängig ist!

Fast jeder hat in seiner eigenen Laufbahn erlebt, dass Lehrer in unterschiedlichen Maße streng sind und dementsprechend auch unterschiedlich strenge Noten vergeben. Neben dem Risiko, strenge Lehrer zu haben, tritt ein zweites, nicht auf persönliche Leistung oder persönliche Entscheidungen zurückführbares Risiko. Die Herkunft.

Schulerfolg und Herkunft

Herkunft ist bekanntermaßen vom einzelnen Individuum nicht zu beeinflussen, man wird in die Familie hineingeboren und kann sich die Umwelt in der man bis zu einem gewissen Alter aufwächst nicht beeinflussen und ist ihr mehr oder weniger stark ausgeliefert.

Sekundäre Umwelteinflüsse

Ab einem Alter vo circa 10-12 Jahren kann man davon ausgehen, dass der Einfluss der Eltern wieder abnimmt und sich die Kinder ihre Umwelt ein Stück weiter selbst aussuchen können. Dies ist bei Kindern aus gut situierten Familien wesentlich stärker der Fall. Die Kinder aus diesen Familien können zum Beispiel teurere Hobbies ausprobieren oder Musikinstrumente lernen, die sie interessieren. Kinder aus ärmeren Familien haben diese Möglichkeiten oft nicht und somit ist die Auswahl ihrer Umwelt stärker eingeschränkt.

Da sich eine förderliche Umwelt durch Aktivität und Kreativität auszeichnen soll, so zumindest die übliche These, werden Freizeitaktivitäten unterschiedlich nützlich und hilfreich für den Schulerfolg.

Resilienzen und Schutzfaktoren

Nicht nur die Umwelt, die sich Kinder aussuchen sind unterschiedlich nützlich, auch die primäre, elterliche Umwelt kann Probleme erzeugen, aber auch Chancen bieten. Aufstiegsgeschichte in der Familie zum beispiel sind eine Umwelt die Kindern helfen könen, die eigene Geschichte positiv erzählen zu wollen. Wenn zum Beispiel eine Mutter, die früh Mutter geworden ist sich die Kraft genommen hat und ein Abitur nachholen konnte, dann ist dies für ein Kind ein Vorbild.

Abstiegsgeschichten und Geschichten von Misserfolg, gerade schulischer Misserfolg erhöhen die Chance, oder besser das Risiko, selbst in der Schule zu versagen.

Nicht alle oben aufgeführte Gründe können eine Entschuldigung für Fehlverhalten sein, sie erklären aber viel. Auch ist hier kein Automatismus zu sehen, erst recht determiniert Herkunft keinen Menschen, aber ein äußerst komplexes Gefüge verschiedener Faktoren kann Wahrscheinlichkeiten und Einstellungen prägen, die in verschiedenen Umwelten unterschiedlich nützlich sind.

Ausschließen kann man nur, dass allein die Herkunft oder allein die persönliche Entscheidung des individuellen Kindes der Grund für Schulversagen sind.

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