Rechenschwäche

Rechenschwäche

oder Dyskalkulie, ist eine der am häufigsten erwähnten, aber im schulischen Kontext noch zu wenig bekannten Phänomene. Mit Rechenschwäche oder dem an die Legasthenie angelehnten Begriff „Dyskalkulie“ bezeichnet im Prinzip nur die besondere Schwierigkeit beim Erlernen von Rechnen. (Siehe zur Begriffsklärung zum Beispiel Willhelm Schipper)

Mathematik ist ein Fach, welches von Generationen von Schülern gehasst oder geliebt wurde. Mathematik ist häufig ein Problemfach und lange Zeit wurden vor allem Mädchen in diesem Fach benachteiligt. Mathematik schult aber auch das logische Denken und ist als Fähigkeit „Rechnen“ von zentraler Bedeutung für das tägliche Leben. Zudem legt die Mathematik die Grundlagen für technische Fächer und Ausbildungsgänge.

Deswegen hat die Mathematik zu Recht einen großen Anteil am schulischen Unterricht und zwar von der ersten bis zur 13. Klasse und darüber hinaus.

Diagnostik aktuell

Umso schlimmer ist es für viele Kinder und ihre Eltern, wenn ein Kind Probleme beim Erlernen der Mathematik hat. Zeitweise haben die meisten Schüler Schwierigkeiten beim Schulstoff mitzuhalten, in gewissen Alters- und Klassenstufen ist dies fast normal (Stichwort: Pubertät), aber eine früh beginnende und sich verfestigende Schwierigkeit beim Rechnen kann massive Folgen für den Erfolg der Schullaufbahn haben. Von einer Rechenschwäche wird gesprochen, wenn das Kind andauernde und unübliche, der Intelligenz nicht angemessene Leistungsabfälle im Fach Mathematik zeigt. Dieses Differenzkriterium ist nicht unumstritten, da es Kinder mit Förderbedarf Lernen oder geistige Entwicklung von der Diagnose Rechenschwäche ausschließt. Ein Kind muss also normal intelligent sein um eine Rechenschwäche entwickeln zu können, ansonsten wäre es „lernbehindert“ oder „geistig behindert“. Aus diesem Grund muss auch eine psychologische Untersuchung des Kindes erfolgen um von Rechenschwäche zu sprechen. Dabei muss überprüft werden, ob das Kind einen Leidensdruck durch seine Leistungsschwäche in Mathematik hat. Ist dies nicht der Fall, so könne man nicht von Rechenschwäche sprechen.

Diese Diagnosekriterien müssen also erfüllt werden, wenn man zusätzliche Ressourcen für ein Kind beantragen möchte um die Rechenschwäche zu „therapieren“. Das Problem daran ist, die zwangsweise Abstempelung, bzw. Etikettierung des Kindes als „Rechenschwach“. Dieses Etikett kann sich im Selbstbild des Kindes auch verfestigen und dazu führen, dass es, weil es „Mathe ja eh nicht kann“ , in Mathematik immer am Ende der Leistungsskala bleibt.

Vorschläge für Diagnostik von Rechenschwäche

Wichtig ist also nicht nur zu beurteilen, dass ein Kind Mathe nicht kann, dass sieht man recht schnell, sondern herauszufinden warum ihm das Rechnen Schwierigkeiten macht. Hilfreich dafür ist eine prozessorientierte Diagnostik, die versucht die Lösungswege des Kindes als für das Kind sinnhaft und sinnvoll zu begreifen um die Irrtümer zu verstehen und einen Weg in Richtung effektiver Rechenstrategien zu beschreiben. Methoden die sich bewährt haben sind zum Beispiel das laute Rechnen bei dem das Kind erklären soll, warum es zu diesem oder jenem Ergebnis kommt. Dies muss mit allen Kindern eingeübt werden um ein Verständnis für die Operationen zu erreichen, da eine reine „Regelgläubigkeit“ eine Rechenschwäche auch befördern kann.
Ein Hauptsymptom das häufig beschrieben wird ist das verfestigte zählende Rechnen. Dabei hat ein Kind oft noch nicht begriffen, dass eine Zahl nicht nur durch „Weiterzählen“ addiert werden kann und eine Zahl nicht nur die Abfolge von mehreren Zahlen ist (Ordnungszahlaspekt) sondern auch eine Menge beschreibt die geteilt werden kann (Kardinalzahlaspekt). Im Zahlenraum bis 20, welcher üblicherweise in der ersten Klasse behandelt wird, fällt ein Kind nicht unbedingt durch Fehler auf, es hält sich an seine, in diesem Rahmen sehr gut funktionierende Regel, und ist damit auch meist recht schnell. Sobald aber der Zehnerübergang auch in höheren Bereichen und bei zweistelligen Zahlen gefordert wird, versagt diese Strategie meist und ist langsam und fehleranfällig. Dieses Erlebnis haben viele Schüler und solange die Regel angepasst und überarbeitet wird, ist dieser Fehler eher eine Chance als ein Risiko, sollte sich ein Kind aus verschiedenen Gründen aber nicht in der Lage dazu sehen, von diesem Weg abzuweichen, wird sich das zählende Rechnen verfestigen und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine Rechenstörung nach sich ziehen. Somit muss zur Prävention sowie zur Behandlung einer Rechenschwäche der kreative und verständige Umgang mit Zahlen, jenseits von einfachem Regeln auswendig lernen, gefördert werden.

Siehe auch: Förderung bei Rechenschwäche
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